SICHERHEIT STEHT AN ERSTER STELLE

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Kiwanis-Mitglieder in Kanada sponsern eine auf 8.000 Quadratmetern nachgebildete Stadt, in der Kinder sicheres Verhalten Zuhause und beim Radfahren üben können.

Geschichte und Bilder von Curtis Billue

Ein hoher elektronischer Signalton durchdringt die Stille der Nacht. Sie erwachen, sind schläfrig und völlig verwirrt. Sie können kaum etwas sehen, nur dichten schwarzen Rauch. Etwas weiter weg hören Sie Knistern und fallende Gegenstände. Die Wände knarren, Glühbirnen explodieren und  Glas zerbricht in den Nebenräumen. Was sollen Sie tun?

Stehen Sie auf, um die Tür des Schlafzimmers zu öffnen und zu sehen wo das Feuer ist? Nein.

Wenn Sie sich aufstellen, könnten Sie wegen den aufsteigenden giftigen Gasen und dem Rauch die Orientierung verlieren. Beim Einatmen der heißen Luft (bis zu 315.6°C) könnte ihre Lunge verbrennen und die Kleidung mit der Haut zusammenschmelzen. Beim Öffnen der Tür würde dem Feuer mehr Sauerstoff zugeführt werden und es würde sich explosionsartig im Zimmer verbreiten.

Ein Feuer kann innerhalb von fünf Minuten ein ganzes Haus verschlingen. In einem Notfall wie diesem zählt jede einzelne Sekunde. Sie geraten in Panik, wissen nicht, was Sie tun sollen. Sie wünschen sich, Sie wären besser auf eine derartige Situation vorbereitet gewesen.

Vor allem, wenn Sie gerade erst einmal fünf Jahre alt sind.

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Aus diesem Grund hat der Kiwanis Club Brantford, Ontario, auf einem 8.000 Quadratmeter großen Grundstück das Children’s Safety Village, die Modellstadt Brant, eingerichtet. Auf diesem Testgelände gibt es Klassenzimmer, eine Brandrisiko-Wohnung und eine Miniaturstadt mit Verkehrsstraßen und Ampelanlagen. In dieser Modellstadt erlernen Kinder Sicherheitsmaßnahmen und wie sie sich auch in sehr gefährlichen Situationen zu verhalten haben.

In den vergangenen 12 Jahren haben mehr als 80.000 Schüler, von der Vorschule bis zur achten Klasse, an Sicherheitsveranstaltungen, die von der Polizei und der Feuerwehr in diesem Simulationszentrum durchgeführt wurden, teilgenommen. Diese innovative praxisorientierte Vorgehensweise hat Kindern gelehrt, wie sie sich in Notfällen verhalten sollen und wie Unfälle und lebensgefährliche Verletzungen vermieden werden können.

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Sparkys Wohnung
Im Jahr 1951 stellte die National Fire Protection Association (NFPA) das Brandschutzmaskottchen Sparky, den Feuerwehrhund, vor. Von Sparky und Smokey Bear lernen Kinder alles über Brandschutz. Die Schüler folgen dem Ausbilder Bob Sproul, einem Brandschutzbeauftragten des Brantford Fire Departments, vom Klassenzimmer zu Sparkys Wohnung.

Auf den ersten Blick erkennt man schon die vielen Gefahrenquellen in der Wohnung. Das Kabel des Bügeleisens hängt bis zum Boden herunter, ein Heizgerät ist über mehrere Verlängerungskabel angeschlossen. Pizza-Behälter stehen auf der Herdoberfläche.

Sparky ist wirklich ein sehr vergesslicher Hund.

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Sproul zieht einen leeren elektrischen Duftdiffusor aus der Steckdose und zeigt den Kindern den angeschwärzten Stecker, der zu brennen begonnen hatte. Nicht nur die Kinder sind verblüfft sondern auch Marie-Sol Harding, die Grundschullehrerin der Sainte-Marguerite-Bourgeoys Catholic Elementary Schule.

„Ich konnte es nicht glauben. Ich benutze ständig Steckdosen-Duftdiffusoren“, sagt Harding. „Ich wusste nicht, dass die Diffusoren Feuer fangen können, wenn sie leer in der Steckdose stecken bleiben. Es kostet mich zwar etwas Geld sie alle auszutauschen aber es ist wichtig, dass es getan wird.“

Eine 6-fach-Steckdosenleiste, die nicht für Küchengeräte geeignet ist, verdeckt eine Stelle, an der ein Feuer begonnen hatte. Die Kinder heben die Hände und stellen dem Ausbilder viele gute Fragen.

Die Schüler identifizieren weitere Gefahrenquellen: ein mit Zeitungen gefüllter Karton, der zu nahe am offenen Kamin steht, ein Radio neben der Badewanne.

Der Rauchmelder geht los und Sparkys Schlafzimmer füllt sich auf einmal mit weißem Rauch. Jetzt können die neu gelernten Anleitungen und Vorführungen zum Einsatz kommen. Die Schüler besprechen sofort, wie sie sich in dieser Situation verhalten müssen.

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Sie krabbeln auf dem Boden und benutzen den Handrücken zum Abtasten. Sie haben gelernt, dass der Handrücken empfindlicher ist als die Innenfläche der Hand. Die Tür fühlt sich warm an, deshalb krabbeln sie zu ihrem zweiten Fluchtweg, dem Fenster, und klettern hinaus.

Am Ende des Ganges befindet sich das Haus des Nachbarn. Dieser Ort wurde als Treffpunkt bei einem Notfall bestimmt. Von hier aus rufen sie die Notfallzentrale (im Telefon ist die Aufnahme eines Notfallanrufs zu hören) an.

„Ich glaube, die Kinder setzen die erlernten Informationen auch zu Hause um. Meine Kinder haben auch an dieser Sicherheitsveranstaltung teilgenommen“, sagt Harding. „Als sie nach Hause kamen, haben wir gemeinsam einen Notfallplan ausgearbeitet und einen Treffpunkt bestimmt.“

„Auch Eltern können vergesslich sein. Wir wissen, dass die Batterien im Rauchmelder ausgewechselt werden müssen, tun es aber nicht. Wir können von den Kindern lernen, die an der Brandsicherheitsveranstaltung teilgenommen haben.“

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Miniaturstraßen
In einem anderen Bereich der Modellstadt steht der Polizist Chad Crawford, Beamter für Verbrechensbekämpfung und Sicherheitsüberprüfung, vor einer Ampelanlage und einem blinkenden Fußgängerübergangsignal. Er zeigt den Kindern wie ein verkehrssicheres Fahrrad aussehen sollte und zeigt in Instandhaltungsmaßnahmen. Er erklärt ihnen, wie der Fahrradhelm sicher sitzen sollte, Handsignale zum Abbiegen und Anhalten eingesetzt werden und welche Bedeutung die verschiedenen Straßenschilder haben.

Für Erwachsene gehören diese Dinge bereits zum Alltag, aber für die Kinder handelt es sich um etwas Neues.

Die Kinder stehen verwirrt vor einem Schild, auf dem ein „X“ abgebildet ist. Der Polizeibeamte Crawford erklärt ihnen, dass es sich um ein Bahnübergangsschild handelt. Er macht darauf aufmerksam, dass man beim Überqueren darauf achten muss, nicht vom Fahrrad zu fallen oder mit dem Reifen in den Gleisen stecken zu bleiben.

Die Schüler lernen die verschiedenen Verkehrsschilder kennen und üben ihre Radfahrsicherheitskenntnisse. Crawford wendet sich mit folgender Bitte an die Kinder: „Ihr hört bestimmt nicht gerne, was ich euch jetzt zu sagen habe. Ich möchte, dass ihr beim Überqueren eines Bahnübergangs immer absteigt und eure Fahrräder über die Gleise schiebt“.

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Fahrrad- und Jeep-Rodeo
Am darauffolgenden Veranstaltungstag wurden die Kinder von ihren Eltern und Großeltern zu einem Fahrrad- und Jeep-Rodeo begleitet. Die Kinder strahlten von einem Ohr bis zum anderen, während sie in motorisierten Jeeps umherfuhren und die Straßenregeln einstudierten.

Andere Kinder wiederum übten ihre Geschicklichkeit auf den Fahrrädern. Sie fuhren in Achterschleifen um Verkehrskegel herum. Polizisten haken die erfolgreich abgeschlossenen Sicherheitsaufgaben ab und erklären den Kindern die verschiedenen Verkehrssignale und Warnlichter.

Die Eltern sind glücklich. Die Kinder sind glücklich. Lisa Lesnicki-Young, die Exekutivdirektorin des Children’s Safety Village von Brant, ist auch glücklich.

„Unsere Simulationsstadt ist wirklich etwas Besonderes. Unsere Vorgehensweise hat sich sehr bewährt“, sagt sie. „Ich weiß, dass wir mit unseren Sicherheitsveranstaltungen tragische Verletzungen und Sterbefälle verhindern können. Aus diesem Grund bin ich hier. Wir bewirken einen Unterschied.“

Leo Vos, Präsident und Bob MacLean, Vizepräsident der Modellstadt und die Kiwanis-Mitglieder freuen sich, dass ihre Bemühungen in dieser kleinen Stadt in Ontario, stark auf die Gemeinde eingewirkt haben.

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„Die Unfallraten in diesem Landkreis sind höher als der Durchschnitt für die Provinz Ontario“, sagt MacLean. „Wir hatten den Wunsch, mit unserer Modellstadt den Kindern zu helfen, sich zu schützen und sie auf gefährliche Situationen zu Hause und im Verkehr vorzubereiten.“

Und nicht nur die Kinder freuen sich über die vielen Dinge, die sie gelernt haben.

„Auch die Eltern sind dankbar und begeistert, dass ihre Kinder an unserem Programm teilnehmen konnten“, sagt Vos.

Die Sicherheitsbeauftragten, Ausbilder, Eltern und Kiwanis-Mitglieder haben eine enge Verbindung zueinander aufgebaut. Sie beobachten stolz, wie die Kinder die Strecken abfahren, sich sicher verhalten und neue Sicherheitsvorschriften kennenlernen.

„Ohne den Kiwanis Club Brantford wäre unsere Simulationsstadt niemals zustande gekommen“, sagt Young. „Ich kann diesen Kiwanis Club nicht genug loben. Dieser Club und seine Mitglieder sind einzigartig und eine Inspiration für die ganze Gemeinde“.


 

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