«DIE SCHÖNSTE NEBENSACHE DER WELT»

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Jörg Schild vom KC Basel war Mitglied der Handball-Nationalmannschaft, bis Ende 2016 präsidierte er Swiss Olympic. Ein Gespräch über unvergessliche Momente, die Bedeutung des Sports für die Jugend und – ja, auch das – Doping.


Published by Switzerland-Liechtenstein District
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Geschichte von Lucas Huber

Kiwanis Magazin: Jörg, was bedeutet Sport für Dich?

KF Jörg Schild: In meiner Aktivlaufbahn bedeutete er mir sehr viel, rückblickend sogar fast etwas zu viel, denn ich war fast mehr in Magglingen als an der Uni. Es mag zwar abgedroschen klingen, aber Sport ist wirklich die schönste Nebensache der Welt, und ich hatte das Glück, dass er zeitweise sogar die Hauptsache war. Heute spiele ich Golf und fahre Ski.

KM: Welche Bedeutung misst Du dem Sport für die Jugend bei?

JS: Oft werden die erzieherischen und auch gesundheitspolitischen Auswirkungen des Sports vergessen. Wenn ein Jugendlicher in einem Verein mitmacht – etwa auch in einem Musikverein oder der Pfadi – geht er einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nach, und die Eltern wissen, wo er sich aufhält. Zudem lernt er mit Anstand zu verlieren und nach einem Erfolg nicht allzu übermütig zu werden.

KM: Gibt es ein Schlüsselerlebnis, das Dich sportlich prägte?

JS: Ich hatte viele unvergessliche Momente. Spontan kommen mir der spannende Halbfinal an den Londoner Spielen zwischen Roger Federer und Martin Del Potro sowie der Hockeymatch der Schweiz gegen Kanada in Vancouver in den Sinn. Als aktiver Sportler werde ich jedoch sicher nicht das Länderspiel gegen den damaligen Handballweltmeister Rumänien 1971 in Bukarest vergessen, als wir einen sensationellen Sieg landeten.

KM: Bist Du an den Olympischen Spielen kommenden Monat in Südkorea dabei?

JS: Neben unzähligen Sportanlässen auf der ganzen Welt war es mir vergönnt, auch an sechs Olympischen Spielen dabei gewesen zu sein. Dies waren unvergessliche Erlebnisse. Aber irgendwann hat man «es» dann auch gesehen und macht gerne der nächsten Generation Platz. Aber natürlich verfolge ich die Spiele, einfach via Median.

KM: Wie präsent ist Deine Handballkarriere heute noch?

JS: Meine aktive Karriere liegt doch etwas gar weit zurück. Was bleibt, ist Dankbarkeit für das, was mir der Sport für mein nachfolgendes Leben geschenkt hat. Ich glaube, dass mich der Mannschaftssport stark geprägt hat. Den Satz, wonach früher alles besser gewesen sei, hört man nicht von mir. Allerhöchstens ein «waisch no?», wenn man unter alten Handballkollegen ein Gläschen trinkt.

KM: Mit welchen Gefühlen blickst Du auf Deine Zeit als Swiss-Olympic-Präsident zurück?

JS: Wenn man nur die nackten Zahlen betrachtet, bin ich zufrieden, dass wir die finanziellen Mittel für den Schweizer Sport mehr als verdoppeln konnten. Trotzdem geniesst der Sport immer noch nicht die gesellschaftliche und politische Anerkennung, die er eigentlich verdient. Positiv bleiben mir all die interessanten Begegnungen mit Persönlichkeiten in Erinnerung.

KM: Gibt es auch negative Erinnerungen?

JS: Die Art und Weise, wie dünnhäutig gewisse hochrangige Funktionäre, vor allem, aber nicht nur beim IOC auf meine Kritik reagiert haben, gehört zu den negativsten Erlebnissen als Präsident von Swiss Olympic. Kritikfähigkeit wurde klein geschrieben und oft überwog die Angst, einen Grossanlass nicht zugesprochen zu erhalten oder gar bei den nächsten Wahlen nicht mehr gewählt zu werden. Schade!

KM: Du hast Dich stets zu Missständen im Sport geäussert …

JS: … und das, wie ich meine, mit dem nötigen Anstand. Die Glaubwürdigkeit des Sports hat in den letzten Jahren durch Betrügereien, Korruption und Gewalt in und um Stadien enorm gelitten. Grosse Verbände stehen im Schaufenster und Fragen wie Vergabepolitik für grosse Anlässe oder das Angehen ethischer Probleme sind heute nicht nur bei Vorstandssitzungen, sondern auch an Stammtischen Diskussionsthemen.

KM: Ist es korrekt, dass Russland von den Spielen in Pyeongchang ausgeschlossen wurde?

JS: Ich attestiere – trotz diversen kritischen Kommentaren in den Medien – den Verantwortlichen, dass sie einen glaubwürdigen Weg suchen. Und ich befürworte, dass erwiesenermassen unschuldige Athletinnen und Athleten nicht bestraft werden. Aber ich bin auch dezidiert der Meinung, dass ein Nationales Olympisches Komitee, das mit politischer Unterstützung derart betrügt, wie dies das russische getan hat, in einer Olympischen Familie nichts zu suchen hat. Deshalb hoffe ich, dass ohne falsche Rücksicht auf politische und freundschaftliche Bande zusammen mit der nächsten Generation ein Neuanfang gelingt.

 

 

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