VERBUNDEN, UM ZU HELFEN

Die Kultivierung von Mitgefühl ist ein wesentlicher Bestandteil der Menschlichkeit. Gerade jetzt ist die Welt darauf angewiesen.  

Artikel von Julie Saetre

Als die Pandemie im März 2020 die Welt veränderte, schritten die Mitglieder der Kiwanis-Familie zur Tat. Sie versorgten Ersthelfer und kümmerten sich um Menschen, die besonders von der COVID-19-Pandemie gefährdet waren – und um diejenigen, denen es plötzlich an Grundlegendem wie Lebensmitteln, Unterkunft und Dingen des täglichen Bedarfs mangelte. Im Grunde taten sie genau das, was die Mitglieder der Kiwanis-Familie schon immer getan haben: Sie zeigten Mitgefühl. 

Dr. James R. Doty

„Die Definition von Mitgefühl ist die Fähigkeit, das Leid einer anderen Person nachzuvollziehen und den Wunsch zu verspüren, dieses Leid zu mildern“, erklärt Dr. James R. Doty, klinischer Professor für Neurologie und Gründer und Direktor des Center for Compassion and Altruism Research and Education (Forschungs- und Bildungszentrum für Mitgefühl und Nächstenliebe, CCARE) der Universität Stanford in Kalifornien, USA. 

Außerhalb des Kiwanis-Universums zeigten sich im Jahr 2020 im Verhalten der Menschen eher beunruhigende Entwicklungen. Sicherlich kam es an vorderster Front und hinter den Kulissen der Pandemiebekämpfung zu vielen mutigen und selbstlosen Einsätzen – gleichzeitig wurden jedoch auch Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs gehortet, Gesundheitsvorschriften missachtet und Anschuldigungen erhoben. Treffen solche Verhaltensweisen mit einer toxischen Situation wie dieser zusammen, in der auf nationaler und globaler politischer Ebene alles durcheinandergewirbelt wurde, fällt es nicht leicht, Mitgefühl zu entwickeln. 

„Die Menschen waren verängstigt und beunruhigt“, sagt Dr. Doty. „Sie fühlten sich bedroht. Anstatt zugänglicher, inklusiver, rücksichtsvoller und liebevoller zueinander zu sein, zeigten sie sich eher von einer schlechteren Seite.“ 

Ein kurzer Blick reicht bei beinahe jeder Social-Media-Seite aus, um einen Menschen hoffnungslos zu stimmen und ihm den Eindruck zu vermitteln, dass die gewaltige Kluft, die uns trennt, nicht überbrückt werden kann. Glücklicherweise ist Mitgefühl im Menschen verankert. Diejenigen, die sich mit diesem Thema befassen, sind überzeugt, dass wir es kultivieren können, um eine freundlichere, sanftmütigere Welt zu schaffen. 

Thupten Jinpa

„Schon vor Tausenden von Jahren hat man erkannt, dass Mitgefühl eine wichtige menschliche Eigenschaft ist“, sagt Thupten Jinpa, Präsident des Compassion Institute in Half Moon Bay, Kalifornien, USA, und oberster Englischdolmetscher des Dalai-Lamas (seit 1982). „Deshalb ist es in jeder Religion das Fundament aller Lehren.“ 

Mitgefühl ist zudem auch wesentlich für das menschliche Überleben. Anders als bei anderen Arten, die ihren Nachwuchs innerhalb von Wochen oder Monaten großziehen, dauert es bei uns Menschen nahezu zwei Jahrzehnte, bis wir unsere Kinder aufgezogen haben. Während dieser Zeit werden starke Bindungen aufgebaut und wichtige soziale Fähigkeiten entwickelt. Die Erziehung der Kinder erfordert über Jahre hinweg endlose Geduld, Durchhaltevermögen und den Verzicht auf viele Dinge. Und dennoch wird diese Erfahrung oft als lohnenswerteste Aufgabe beschrieben.  

„Wenn wir uns um andere Menschen kümmern, wird im Gehirn der Neurotransmitter bzw. das Hormon Oxytocin ausgeschüttet“, erklärt Dr. Doty. „Vielen Menschen ist dieses Hormon auch unter der Bezeichnung ‚Liebes- oder Kuschelhormon‘ bekannt. Es aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und steigert unser Wohlbefinden. Oxytocin ist wichtig für unseren Fortbestand.“ 

Mitfühlend zu sein bedeutet weitaus mehr, als nur das Leben anderer Menschen zu verbessern. Es wirkt sich auch auf unsere eigene Gesundheit positiv aus und macht uns zu glücklicheren Menschen. 

„Die Wissenschaft zeigt, dass gegenseitiges Mitgefühl gut für die Gesundheit ist“, sagt Dr. Doty. „Die Herzfunktion und der Blutdruck verbessern sich. Das Immunsystem wird gestärkt. Stresshormone werden abgebaut. Die Produktion entzündungsfördernder Proteine, die mit chronischen Erkrankungsstadien verbunden sind, wird gehemmt. Mitgefühl wirkt sich schlussendlich nicht nur auf Ihre äußerliche Erscheinung, sondern auch auf Ihr Gehirn positiv aus.“


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